Ich denke NICHT! also bin ICH!!

 

Ich habe lange darüber nachgedacht wie man das, was Donald Trump mit seinen „Schutzbefohlenen“ und seinen Verbündeten und Vertrauten anstellt, auf den Punkt bringen könnte. Nun habe ich eine Anekdote über George Bernard Shaw gelesen, die aus meiner Sicht den Nagel auf den Kopf trifft. Bei einer Abendgesellschaft, so beginnt die Anekdote, soll Shaw seine vornehme und schöne Tischnachbarin gefragt haben, ob sie für zehn Millionen Pfund bereit sei, eine Nacht mit ihmzu verbringen; als sie lachend bejahte, fragte er weiter, ob sie es auch für 10 Pfund tun würde; die Dame bekam einen Wutanfall und warf Shaw vor, sie wie eine billige Hure behandelt zu haben, worauf dieser ruhig erwiderte: „Ach kommen Sie, wir haben doch schon festgestellt, dass Ihre sexuelle Gunst käuflich ist – jetzt feilschen wir nur noch um den Preis…“.

Dessen ungeachtet, dass diese Frage an eine Frau gerichtet ist und dass die Frage ebenso gut von einer Frau an einen Mann, aber auch im Gespräch zwischen gleichgeschlechtlichen Protagonisten hätte gestellt werden können, ermuntert diese Anekdote darüber zu sinnieren, was nicht alles in der Welt in der Lage ist, Geschaffenes, Entstandenes, Bewährtes und vermeintlich Bewährtes, in Frage zu stellen?

Donald Trump lässt es an Einfalt weder fehlen, noch versucht er sie an den kritischen Stellen des gesellschaftlichen Miteinanders zu vermeiden. Es gibt und gab auf diesem Planeten wohl keine Kultur, Religion oder Weltanschauung, die mit Erfolg verleugnet hätte, dass die Zukunft auf der Vergangenheit aufbaut. Dort wo es Versuche gab, Vergangenheit zu rekultivieren, sind die Initiatoren oder die initiativen Zellen nachweislich immer gescheitert.  Das gilt für alle naturwissenschaftlichen, wie auch für alle geisteswissenschaftlichen Bereiche der irdischen Intelligenz.

Nun kommt da ein kaltgestrickter, mit offenkundig einem Höchstmaß an Bauernschläue ausgestatteter und sich selbst als Übermensch einstufender Erdbewohner, der alles das, was über Jahre, um nicht zu sagen Jahrzehnte, in zähen Verhandlungen an MITEINANDER und FÜREINANDER auf dem Planeten erreicht wurde, mit einem Federstrich auszulöschen, mehr noch, ungeschehen zu machen. Um es mit Hanna Arend zu sagen: „Die Vergangenheit hat aufgehört ein Licht auf die Zukunft zu werfen“. Dies alles erklärter Weise nicht, weil er damit der Menschheit einen Dienst zu erweisen beabsichtigt, oder, was möglicherweise noch nachvollziehbar wäre, hunderte Millionen Amerikaner, also seinen Schutzbefohlenen ein besseres, weil lebenswerteres Leben anzudienen, sondern um jener Gesellschaftsschicht seines Landes, die bereits über unvorstellbare Vermögen verfügen ein Me[e]hr an Reichtum zu sichern.

So wie man nicht umhinkann, George Bernard Shaw in seinem innersten Selbst, sexistischen Chauvinismus zu unterstellen, kommt man ebenso wenig umhin, dem Narziss Donald Trump egozentrische Interessen in seiner Eigenschaft als Präsident einer Weltmacht zu unterstellen. Eben das versucht er nicht einmal zu verbergen. Wenn Donald Trump also, ein nach mehr oder weniger demokratischen Maßstäben gewählter Führer einer Weltmacht seinen Schutzbefohlenen vor Augen führt, dass sie ihn ja gewählt haben und somit mit den Konsequenzen seines Handelns leben müssen, liegt er im Kontext der Shaw’chen Maxime nicht ganz falsch. Nur das ist der Punkt und das Dilemma zugleich: Vereinfachung führt nahezu immer zu einer Verschiebung der wirkfähigen Parameter.

Es ist die gedachte „Bierdeckel“-Strukturierung (Vereinfachung, Verschlankung) komplexer Abläufe, die, wenn so, wie von Trump lanciert, immer Gefahr läuft, wesentliches in seinen Funktionen auszusetzen (allerdings auch umgekehrt) und somit abweichende, ja im Eigentlichen, ungewollte Ergebnisse zu erzielen. Ohne zum jetzigen Zeitpunkt sagen zu können, welche Konsequenzen das jüngste Handeln dieses Menschen Trump für die gesamte Menschheit haben wird, kann man dennoch schon jetzt mit Bestimmtheit feststellen, dass die Welt mit dieser Präsidentschaft, Herausforderungen, die weit über 9/11 hinausreichen, umzugehen wird lernen müssen.

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