Verdichtung

 

 

Ein Element meiner Kunst ist die Verdichtung realer, manchmal irrealer Ereignisse, in unterschiedlich vielen Schritten, zu einem „virtuell Schönen“. Meine Idee basiert auf der Annahme, dass unsere Welt, dass das uns bekannte Universum, im Einklang mit denen vom Menschen entdeckten Gesetzmäßigkeiten, sich in permanenter Ausdehnung befindet. Eben diese Gesetzmäßigkeiten basieren in unserem Alltag maßgeblich auch und nicht zuletzt, auf einem physikalisch vorhandenen Gleichgewichtsstreben der uns umgebenden Materie. Diese finden ihren Ausdruck in physikalischen Grundordnungen wie „Aktion = Reaktion“, „die Summe aller sich im Gleichgewicht befindenden Kräfte ist Null“ und vielen mehr.

Die hier angesprochenen Werke setzen sich aus einer Fotografie, respektive einem Konglomerat von Fotografien zusammen. Dies sind sowohl reale Abbildungen von Menschen, Tieren, Landschaften, beliebigen Objekten, als auch von mir erzeugten Kunstwerken, wie Gemälden, Zeichnungen usw. Das oder auch die für mich in der Entstehung wahrgenommenen Ereignisse, die ihren Niederschlag in den jeweiligen Abbildungen finden, erfahren ihre abschließende Setzung in einem werkimmanenten Anderen, im subjektiv Schönen. Hierbei ist es unwesentlich, ob die diesem Ergebnis zugrundeliegenden Zutaten (fotografische Abbildungen) als objektiv schön oder aber als unschön empfunden werden konnten. Maßgebend ist vielmehr, dass aus vermeintlich nicht kompatiblen Ingredienzien, das Andere, gleichsam und mutmaßlich ästhetisch anspruchsvolle Andere entsteht.

Gleichsam einer evolutionären Entwicklung sind die werkimmanenten Einflüsse (die fotografischen Abbildungen) weniger prägend für die Ästhetik des Gesamtergebnisses, als vielmehr und objektiv (im Sinne eines Faktums) realer Bestandteil des aus ihnen entstandenen Werkes.

Ich bin geneigt den Werdegang dieser Werktechnik, im oben formulierten Sinne, als Parabel auf die aktuell, die Gemüter erhitzende „Flüchtlingsproblematik“ zu sehen. Demnach wissen wir aus den vielfältigen Erfahrungen der Vergangenheit, dass sich selbst exponierende und gleichzeitig andere Gruppen ausschließende Hochkulturen, zu allen Zeiten der Menschheitsgeschichte, immer auch ihrem eigenen Untergang den Weg geebnet haben. Ebenso wissen wir, dass sich Gesellschaften, die sich aus Gruppen mit zum Teil sehr unterschiedlichen kulturellen Abstammungen, in einem begrenzten Zeitraum, zu maßgeblichen Führungskulturen auf unserem Planeten entwickelt haben. Hier müssen wir gar nicht soweit zurückdenken: Die Vereinigten Staaten von Amerika sind trotz oder gerade wegen der Unwägbarkeiten in ihrer, mehrere hundertjährigen Entstehungsgeschichte, zu einer (der) kapitalistischen „Hochkultur“ in Form einer „neoliberalen Führungskultur“ herangereift. In diesem Kontext ist es geradezu fahrlässig, einen Anspruch den wir für uns persönlich einklagen, dem Fremden zu verwehren.

Alle uns bekannten Kunstwerke, selbst jene in der geringsten formalen Ausprägung, demnach vom „weniger als nichts“ bis zu „absolut allem“ (im hegelianischen Sinne) dem „absoluten Wissen“, zu dem Werk immanent eigenen „Universum“, die der Geist des Betrachters zu denken vermag, sind die hier dargebotenen Werke ein in Form gesetztes Konzentrat (wenn man so will)  vielseitiger Ereignisse. Die Auswahl der Basiswerke, Fotografien also, die mit ganz unterschiedlichen Intensionen entstanden sind, wurden mehr oder weniger nach einem Zufallsprinzip und doch, mit einem mehr oder weniger großen Aufwand, fototechnisch zusammengeführt und zu einem jeweils eigenen, individuell anspruchsvollen, digitalen Kunstwerk entwickelt.

Eine im Voraus formulierte Aussage mit „weniger als nichts“ bedarf der kurzen Einführung in mein Denken: Nehmen wir einen vom Künstler gesetzten Punkt auf einem Blatt Papier. Dieser Punkt ist das reine Jetzt. Er ist ohne Ausdehnung. Er ist ohne Raum. Er ist ohne Zeit. Er hat keine Vergangenheit aus dem er entstanden wäre und keine Zukunft, die mit seiner Setzung verbundene Handlung rechtfertigen würde. Vor diesem Hintergrund bedient diese Metapher meine, in künstlerischer Freiheit ersonnene Negation für das Nichts, sozusagen dem „Nichts-Nichts“, im direkten Gegenüber, zu einer Vielheit, dem Alles.

Mit diesem Ansatz bin ich als Künstler frei, meine eigenen Universen zu schaffen bzw. gleichfalls, diese in sich selbst aufzulösen.

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